In mir ist es pechschwarz

Hallo liebe Bücherfreunde,

heute wird es sehr privat, aber es ist an der Zeit, nicht mehr alles zu beschönigen und die Fassade der Unantastbarkeit nicht länger aufrecht zu erhalten, denn diese bröckelt schon seit vielen Jahren und bald werden nur noch Krümel übrig sein.

Um die Wahrheit zu sagen und endlich einmal Tacheles zu reden: mir geht es schon seit Monaten sehr schlecht. Ich kämpfe seit geraumer Zeit mit schwersten Depressionen, die bis zum Äussersten gehen. In mir kocht eine matschige Brühe aus Verzweiflung, Existenzängsten und hässlicher Wut. Mein Leben fühlt sich sinnlos und stumpfsinnig an.

Ihr mögt denken: sie hat einen Doktortitel und jammert hier rum? – ich will kein Mitleid, ich möchte nur ein einziges Mal ausdrücken, wie hoffnungslos ich momentan bin. Alles läuft schief, es gibt nie eine positive Nachricht.

Letztes Jahr wurde meine Mutter schwerstkrank. Wir brachten sie ins Krankenhaus meiner Heimatstadt. Die Ärzte waren ratlos. Ihre Antwort auf meinen Hilfeschrei: ihr Mutter stirbt in zwei bis drei Tagen, nehmen Sie sie nach Hause, es ist chancenlos. In letzter Minute konnten mein Vater und ich den Doktor überzeugen, sie ins Krankenhaus in eine grössere Stadt zu transferieren, wo ein erbitterter Kampf um Leben und Tod begann. Ihr ging es wirklich sehr schlecht, man wusste nicht, ob sie den nächsten Tag noch erleben würde. Ich besuchte sie jeden Tag, jede freie Minute habe ich mit ihr verbracht, habe gesehen, wie sie langsam Fortschritte machte, wie sie Schritt für Schritt ins Leben zurückkam und ich meine Mama wiederhatte. Dennoch lag sie, mit kurzen Unterbrüchen, ein ganzes Jahr im Krankenhaus, musste unzählige Schikanen über sich ergehen lassen und sich an einer Bandbreite von Tests unterziehen. Mittlerweile hat sie sich vom akuten Schub der Krankheit erholt, doch die Angst steckt mir noch tief in den Knochen, dass ich sie eines Tages verlieren könnte. Sie ist unheilbar krank, aber stabil und wir haben in den letzten Wochen sehr viel miteinander unternommen, um sie abzulenken und miteinander Zeit zu verbringen. Vielleicht findet ihr es völlig übertrieben, aber meine Mutter ist der wichtigste Mensch in meinem Leben, sie ist der Ruhepol, die Quelle der Inspiration, meine Mama, meine wundervolle Mutter, die so viel erleiden musste. Es sind Bilder in meinem Kopf, Bilder, wie sie gequält wird, Bilder, wie sie vor Schmerzen fast verrückt wird, Bilder, wie sie fast verblutet und diese spuken im Fluss der Erinnerungen herum und lassen mir keine Ruhe.

Was da noch hinzukommt, war der Leidensweg meines Onkels. Ihr müsst wissen, er bedeutete mir sehr viel. Wir haben uns fast täglich über Religion und Glaube ausgestauscht, er hat mich vorangetrieben, mir neue Impulse gegeben, hatte immer ein offenes Ohr für mich und sehr gute Ratschläge. Doch vor drei Wochen verlor er den Kampf gegen den Krebs und hinterliess eine grosse Leere, die ich nicht mehr zu füllen vermag. Ich habe niemanden mehr, mit dem ich mich über das Studium austauschen könnte, denn meine Verwandten väterlicherseits ignorieren mich komplett, weil ich eine akademische Laufbahn anstrebe. Sie würdigen mich keines Blickes und geben mir nur zu oft zu verstehen, dass ich in ihrem Clan nicht erwünscht bin.

Ich selber sehe keine Hoffnung mehr. Mein Doktortitel in einem Fach, das weder Fisch noch Vogel ist, weist mich in die Schranken und eröffnet mir keine Wege für die berufliche Zukufnt. Ich versuche wie vergiftet, eine Lösung und neue Berufsperspektiven zu finden, möchte mich auf antike Sprachen spezialisieren und als Dozentin an der Universität tätig sein. Aber seien wir ehrlich, wer sucht eine Sumerisch-Lehrerin?

Alles in allem ist die Verzweiflung sehr gross und das dunkle Loch in mir scheint mir förmlich in seinen Schlund zu ziehen. Meine Gedanken kreisen um die düstersten Ideen, ich sehe einfach keinen Sinn mehr in diesem Leben.


Vielleicht bin ich keine gute Christin, ich bin zwar sehr gläubig und bete zu unserem Herrn, Jesus Christus, aber was, wenn auch er mcih aufgegeben hat? Was, wenn ich keine Berufung habe und mein Leben eine einzige Enttäuschung für mein Umfeld ist? Ich habe Angst und sehe keinen Ausweg. Ich bin doch nur eine Last für jedermann…

Ich habe euch jetzt und nur einmalig aufgezeigt, dass nicht alles glitzert und glänzt, dass in mir die Zerstörung tobt und ich krampfhaft versuche, einen Halt zu finden. Vielleicht wisst ihr einen guten Rat oder einen Grund, für den es sich lohnt, weiterzukämpfen.

Es tut mir Leid, dass ich euch mit diesem Schreiben belästigt habe.

M.

4 Kommentare zu „In mir ist es pechschwarz

    1. Hallo Norbert, danke für deine ermutigenden Worte. Ich möchte nicht aufgeben, aber das Umfeld macht es einem nicht immer leicht. Heute ist mein Arbeitgeber an der Uni ausgerastet, weil er sein Passwort für zoom nicht wusste… Das sind Gründe, weshalb ich mich so schlecht fühle, es war nicht einmal meine Schuld…
      Danke dir! LG Mele

      Gefällt 1 Person

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