Leseflaute – Lebensflaute

Guten Abend liebe Bücherfreunde

heute einmal wieder ein etwas persönlicheres Thema. Bestimmt kennt ihr alles das Gefühl, wenn nichts mehr Spass macht, man keine Lust hat, Freunde zu treffen, auszugehen, zu lesen, zeichnen oder einfach im allgemeinen aktiv, kreativ und produktiv zu sein…

Mich hat es jetzt schon länger erwischt. Früher, noch bevor meine Mutter und mein Partner schwer erkrankt sind, habe ich es wenigstens noch fertiggebracht, ein Buch zur Hand zu nehmen und in die Geschichte einzutauchen. Doch mittlerweile wurde das Fernsehen (vor allem Trash-TV) zu meinem einzigen Hobby. Ich habe tausende von Büchern in meinem Büro und Schlafzimmer und noch in weiteren Räumen unseres Hauses und es graut mir davor, auch nur mit einem zu beginngen. Ich fühle mich regelrecht überfordert und komme nicht vom Fleck, so geht es mir auch mit anderen alltäglichen Dingen. Noch vor wenigen Wochen liebte ich es, mit meiner Mutter schoppen zu gehen, sie stabil zu sehen und Freude zu empfinden, wenn wir wieder unterwegs waren. Mittlerweile kann mich nicht einmal mehr die Tatsache begeistern, dass unser Lieblingsladen ständig Schnäppchen anbietet oder dass wir uns ein Getränk bei Starbucks gönnen. Überall liegt dicker, dunkler Nebel, der mir die Sicht zum Guten verdeckt…

Ich sitze manchmal am Computer und suche nach einer neuen Arbeitsstelle und dann wird mir bewusst, dass ich gar keinen Sinn mehr in diesem Leben habe. Es bringt doch nichts, sich weiter zu verstellen und so zu tun, als wäre die Welt in Ordnung. Sie ist ein einziges Chaos und ich ersticke darin. Meine Gedanken kreisen sich nur um eine Frage: wer stirbt als nächstes? Der Tod begleitet mich von morgens bis abends und ich werde diese erdrückenden Gedanken einfach nicht mehr los.

Was dazukommt, ist diese unendliche Einsamkeit, die ich empfinde. Ich weiss, man soll nicht viel Wert auf Likes und Kommentare geben, aber wisst Ihr, wie sehr es schmerzt zu sehen, dass Person X ein Foto im Bikini hochlädt und über 200 Likes kassiert und ich mich, mit der Meldung, dass ich die Doktorwürde erlangt habe, mit 37 Likes zufriedengeben muss… es tut so weh, es schmerzt und ich kann einfach nicht mehr immer wieder ignoriert zu werden, ausgeschlossen zu sein. Ich denke mittlerweile jeden Tag wie es wäre oder was es ändern würde, wenn es mich gar nicht mehr gäbe. Sind wir doch ehrlich? Es gäbe niemanden, der mich vermissen würde, sie würden es wohl nicht einmal mitkriegen, dass der Zug mich überrollt hat oder dass die Überdosis mich das Leben gekostet hat…

Wie sehr wollte ich als Kind und auch jetzt mit 30 einfach mal Teil eines Teams, einer Gruppe sein. Einfach mal dazugehören und nicht immer gemobbt und ausgegrenzt werden? Aber es hat nie geklappt und so ist es jetzt soweit, dass ich mich von allen distanziere und für mich nichts mehr eine Bedeutung hat. Ich möchte, dass es aus ist, ich möchte nicht länger so leiden und das Gefühl haben, dass alle um mich herum einen Scheiss auf mich geben.

Ich bin zutiefst depressiv und komme da nicht raus. Und wisst Ihr, was die Ärzte sagen: erhöhen Sie die Dosis Ihrer Psychopharamaka! Nehmen Sie doch noch ein neues Medikament! Das wird schon. Sie müssen ausziehen. – diese Kacke nennen sie Hilfestellungen, sie kennen mich doch gar nicht.

Heute habe ich mir überlegt: wenn ich ein Schild mit „Free hugs“ hochhalten würde, dann würden die Leute mich wohl anspucken! So lästig bin ich hier.

Nennen wir die Situation Lebensflaute, wer hat das auch schon einmal durchlebt?

Alles Gute
Eure Melanie

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